Tonkrugkühler

Entwicklung von Tonkrugkühlern in Burkina Faso

In Burkina Faso das Zei­chen für eine Kalebasse, einem Gefäß zur Aufbewahrung für Wasser. Für uns somit das perfekte Motiv für das Tonkrugkühler-Projekt.

Weltkarte Projektidee

  • Erhöhung der Nahrungsmittelsicherheit vor Ort
  • Vertrauensverhältnis zu Produzenten schaffen
  • Regionaler & internationaler Wissenstransfer

Weltkarte Funktionsweise

  •  Kühlung zur Lagerung von Lebensmitteln
  •  Hergestellt auf Basis traditioneller Tonkrüge
  •  Produktion vor Ort mit lokalen Materialien

Weltkarte Bisherige Aktivitäten

  • 2018: Ausbildung von Töpfern in Gourcy/Boursma
  • 2017: Kooperation mit Töpfergruppen aus Benin
  • 2014: Internationaler Know-how-Transfer
  • 2013: Ausbildung / Know-how-Transfer
  • 2012: Evaluation / Fokussierung der Zielgruppe
  • 2009: Erste Tests und Beginn der Verbreitung

Weltkarte Ausblick

  • Kooperation mit MIT und GRAAB vertiefen
  • Verbreitungsgrad der Tonkrugkühler erhöhen
  • Workshops zur Herstellung und Nutzung
  • Kollaboration mit lokalen Akteuren
  • Anleitungen zu Bau und Nutzung verbreiten

Ausgangssituation

Kühlen oder nicht kühlen? Eine Frage, die sich viele Einwohner im ländlichen Burkina Faso nicht stellen. Warum? Weil die Stromversorgung vor Ort nicht mit der unsrigen zu vergleichen ist. Elektrizität gibt es vorrangig in Städten und auch dort ist sie störungsanfällig. Einfache elektrische Kühlschränke verwandeln sich so in Luxusartikel.

Gerade während der Trockenzeit ist es besonders wichtig, das Gemüse haltbarer zu machen und den Zeitraum zwischen Ernte und Verzehr bzw. Verkauf auf dem Markt zu verlängern.

« Die Früchte des Gartenbaus stellen für den Großteil der Bevölkerung die Lebensgrundlage dar. »

Prototyp

Der Tonkrugkühler ist eine preiswerte Möglichkeit, Lebensmittel ohne Elektrizität auf bis zu 15°C herunterzukühlen. Diese Kühlvariante basiert auf der Technik von einfachen Tonkrügen, die in Burkina Faso als Behälter für Wasser hergestellt werden und erschwinglich sind.

Movement startete 2009 in Ouahigouya mit geringem finanziellem Aufwand ein Projekt zur Einführung des Tonkrugkühlers. Dabei wurden in und um Ouahigouya 18 Kühler mit möglichst geringem Materialeinsatz hergestellt, aufgestellt und das erworbene Wissen an Menschen vor Ort weitergegeben.

Tonkrugkühler

Zu Beginn der nächsten Projektphase im Februar 2012 wurden Befragungen mit den Besitzern eines Tonkrugkühlers von 2009 durchgeführt. Die Auswertung ergab, dass die Tonkrugkühler regelmäßig genutzt werden und ihre Kühlfunktion erfüllen.

Zwar gingen einige der Tonkrugkühler über die 3 Jahre zu Bruch, doch aufgrund der geringen Anschaffungskosten ist dies nicht tragisch. Der Kauf eines Tonkrugkühlers amortisiert sich schon nach einigen Monaten. Eine genauere Betrachtung der Zielgruppe in Städten ergab, dass kleine Gemüsehändlerinnen am stärksten von der neuen Technologie profitieren würden. Sie kaufen Lebensmittel meist auf dem großen Markt oder in Dörfern ein und verkaufen diese wieder vor ihrem Haus an die Bewohner ihres Quartiers. Da sie oft nicht alle Nahrungsmittel an einem Tag verkaufen, nimmt die Qualität und somit der Preis der Produkte ab. Mit dem Tonkrugkühler können Verluste minimiert, der Verkauf zeitlich flexibler gestaltet und Lebensmittelabfälle vermieden werden.

Bisherige Erfahrungen haben gezeigt, dass der Tonkrugkühler in Burkina Faso sehr gut funktioniert und neben allen Nutzern auch die produzierenden Töpferinnen in den Dörfern von einer Verbreitung profitieren. Daher hat sich Movement 2013 verstärkt darauf konzentriert, Möglichkeiten auszuloten, wie die Produktion der Tonkrugkühler vor Ort vergrößert werden und langfristig eigenständig wachsen kann.

tonkrugkuehler_bild04

Unserer Meinung nach ist die beste Möglichkeit, um eine unabhängige Entwicklung zu ermöglichen, ein wirtschaftlicher Ansatz. Im Vordergrund steht dabei nicht die Profitmaximierung. Der wirtschaftliche Ansatz dient nur als Mittel zum Zweck für sozial und ökologisch wünschenswerte Effekte. Diesen auch als „social business“ bekannten Ansatz verfolgen wir derzeit in Ouahigouya. Wir bauten ein lokales Unternehmen auf, das Tonkrugkühler in Ouahigouya selbstständig verkauft. Alle Mitarbeiter verdienen je nach geleistetem Einsatz einen bestimmten Anteil pro verkauftem Tonkrugkühler. Auch die töpfernden Frauen in den Dörfern erhalten durch die Produktion von Krügen für den „Canari Frigo“ die Möglichkeit, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften und finanziell unabhängiger zu werden. Die Käufer der Tonkurgkühler kommen aus verschiedenen Schichten: Neben Gemüsehändlerinnen und Familien ohne Kühlschrank, finden sich unter den Kunden auch wohlhabendere Familien, die den Tonkrugkühler als günstige Ergänzung zu ihrem normalen Kühlschrank nutzen.

Ein weiterer wichtiger Baustein zur Ermöglichung einer eigenständigen Verbreitung des Tonkrugkühlers ist der Wissenstransfer. Hierfür wurden 2013 in mehreren Workshops 20 Personen ausgebildet. Die Mehrzahl der Teilnehmer waren Töpferinnen aus Dörfern rund um Ouahigouya. Sie produzieren nun die Tonkrüge für unser Unternehmen in Ouahigouya, wurden aber auch selbst ermutigt die Tonkrüge auf dem Land zu verkaufen. Besonderen Erfolg zeigte dieser Wissenstransfer bei einer Frauengruppe aus der Stadt Gourcy. Diese Frauen töpferten bereits sehr professionell. Sie haben den Tonkrugkühler nun in ihr Repertoire aufgenommen und verkaufen ihn selbstständig in mehreren Städten, auch in der Hauptstadt Ouagadougou.

Weil die Nutzung des Tonkrugkühlers mit so vielen Vorteilen verbunden ist, wollen wir die Nutzung nicht nur in Burkina Faso fördern, sondern unser gesammeltes Wissen auch allen weiteren Interessenten zur Verfügung stellen. Aus diesem Grund haben wir Bau- und Nutzungsanleitungen in mehreren Sprachen angefertigt und hoffen, dass dieser Know-how-Transfer auch in anderen Regionen Früchte trägt. Seit 2017 haben wir eine Partnerschaft mit einem Verein in Benin geschlossen, der intensiv mit Töpferinnen zusammen arbeitet. Dieser Verein plant größere Projekte zur Stärkung von genossenschaftlich organisierten Frauengruppen, um deren Einkommenssituation zu verbessern und so den Fortbestand dieses Handwerks zu ermöglichen. 2018 sind zwei unserer Töpfer nach Benin gefahren, um die dortige Töpfergruppe auszubilden.

Funktionsprinzip und Aufbau eines Tonkrugkühlers

Grundlage für die Kühlung mit dem Tonkrugkühler ist das Prinzip der Verdunstungskühlung: Bei der Verdunstung von Wasser wird Energie benötigt, die in Form von Wärmeenergie der Umgebungsluft entzogen wird, dies führt zu einer Absenkung der Lufttemperatur. Der Tonkrugkühler nutzt dieses Prinzip durch eine relativ einfache Konstruktion aus zwei Tonkrügen und Sand. Ein kleiner Tonkrug wird in einem großen Tonkrug platziert und der Zwischenraum mit grobem Sand aufgefüllt.

Der Sand im Zwischenraum wird bewässert und der Tonkrugkühler mit einem feuchten Tuch oder Deckel verschlossen. Aufgrund der Porosität von gebranntem Ton kann das Wasser durch den Tonkrug diffundieren und an der Außenseite des großen Tonkrugs verdunsten. Dadurch wird dem Inneren des kleinen Tonkrugs Energie entzogen und die Temperatur gesenkt.

Positive Effekte durch Nutzung des Tonkrugkühlers

Die Nutzung des Tonkrugkühlers ist mit einer ganzen Reihe von positiven Effekten verbunden, die allen Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette Vorteile bringen:

  • Erhöhung der zeitlichen Flexibilität beim Verkauf von Lebensmitteln, was bei starker Verbreitung, wie im Norden Nigerias, zu einer höheren Schulbesuchsrate unter den oft minderjährigen Gemüseverkäuferinnen führte

  • Die harte Arbeit für die Produktion von gewöhnlichen Tonkrügen bringt nur sehr geringe Erträge. Je nach Auslegung des Geschäftsmodells kann die Produktion von Tonkrügen für den Tonkrugkühler zu einer Einkommenssteigerung in den Töpferfamilien beitragen

  • Längere Haltbarkeit der Produkte verlangsamt den Preisverfall von Obst und Gemüse und erhöht somit das Einkommen von Gemüseverkäuferinnen

  • Erhöhung der Nahrungsmittelsicherheit durch die verlängerte Lebensdauer von Lebensmitteln und der Vermeidung von Lebensmittelabfällen

  • Finanzielle und zeitliche Einsparungen für den Nutzer durch seltenere notwendige Einkäufe und weniger Lebensmittelabfälle

  • Arbeit für lokale Töpferinnen, die die Tonkrüge mit lokalen Materialien herstellen

  • Vermeidung von Krankheiten durch den Verzehr ungenießbarer Lebensmittel

Ausblick

Unser Ziel ist es, eine Entwicklung anzustoßen.

« Eine Bewegung, die an Eigendynamik gewinnt und somit eine Verbreitung der Tonkrugkühler in Eigeninitiative mit sich bringt, ganz ohne unser Hinzutun. »

Wir sind auf einem aussichtsreichen Weg und haben bereits eine sehr gute Basis geschaffen. Für die vollständige Selbstständigkeit braucht es an einigen Stellschrauben noch weitere gezielte Unterstützung. Hierfür investieren wir weiterhin in Ausstellungen, Bildung und Workshops. Weiterhin möchten wir in Zukunft verstärkt mit interessierten Partnern zusammenarbeiten, um die Breitenwirkung zu erhöhen.

Seit 2017 haben wir eine Partnerschaft mit einem Verein in Benin geschlossen, der intensiv mit Töpferinnen zusammen arbeitet. Dieser Verein plant größere Projekte zur Stärkung von genossenschaftlich organisierten Frauengruppen, um deren Einkommenssituation zu verbessern und so den Fortbestand dieses Handwerks zu ermöglichen. Dabei übernimmt Movement die technische Beratung. Das bedeutet, dass zwei unserer technischen Mitarbeiter 2018 nach Benin fahren, um die Frauen in der Herstellung des Tonkrugkühlers auszubilden. Solche Fortbildungen stellen das zentrale Ziel unseres Projektes dar. Wir werden versuchen, eine solche Schulung zukünftig einmal pro Jahr zu realisieren.

Impressionen vor Ort


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