Militärputsch in Burkina Faso

Bisher habe ich etwas gezögert mit einer Stellungnahme unsererseits, da die Lage in Burkina Faso sehr unübersichtlich ist. Nun dennoch ein Versuch die Fakten zusammenzufassen. Drei Wochen vor der geplanten Wahl, welches die erst komplett freie Wahl Burkina Fasos werden soll hat Gilbert Diendéré mit der schwer bewaffneten 1600 Mann starken Präsidentengarde einen Putsch unternommen und kurzerhand den Übergangspräsidenten und den Premierminister inhaftiert. Das geschah am 16.09. am Tag bevor die Ergebnisse der Exhumierung des 1987 ermordeten Präsidenten Thomas Sankara bekannt gegeben werden sollte, was deshalb bemerkenswert ist weil Diendéré vermutlich in diesen Fall involviert ist.

Diendéré ist Mitglied der französischen Ehrendivision und war Sicherheitschef unter dem im vergangenen Jahr abgesetzten Präsidenten Blaise Compaoré und hat vermutlich auch dessen Flucht im vergangenen Jahr gemeinsam mit französischen Spezialeinheiten organisiert. Die Menschen in Burkina Faso sind entsetzt und haben sofort damit begonnen den zivilen Widerstand zu organisieren. Die Präsidentengarde RSP machte in den folgenden Tagen gezielt Jagd auf Mitglieder der Widerstandsbewegung, wobei in Brand gesetzte Motorroller noch zu den weniger schlimmen Greueltaten gehören. Leider kursieren auf Facebook auch zahlreiche Bilder und Videos von Auspeitschungen, Verstümmelungen und Ermordungen.

Die Afrikanische Union reagierte am schnellsten und verurteilte am 18.09. diesen Putsch und seine Drahtzieher als Terroristen. Sie beschloss auch, dass Diendéré und seine Schergen nicht aus Burkina Faso ausreisen dürfen. Davor sind bereits in allen Städten des Landes Tausende Demonstranten auf die Strassen gegangen. Noch massiver als im vergangenen Jahr. Auf die Übernahme und Schließung der Radiosender reagierten die Widerstandskämpfer mit der Einrichtung eines Piratensenders „Radio Resistance“ um alle Bürgerbewegungen zu koordinieren. Es wurde dazu aufgerufen alle Straßen zu verbarrikadieren um den Aktionsradius der Präsidentengarde einzuschränken. Die Internationalen Kräfte verurteilten nacheinander die gewaltsame Machtübernahme. Gendarmerie und Militär schlugen sich dann am Samstag endgültig auf die Seite der Bevölkerung und angeblich sind bereits mehrere 100 Mitglieder der Präsidentengarde desertiert.

Die in Geiselhaft genommenen Politiker wurden mittlerweile wieder frei gelassen. Am heutigen Sonntag fand ein Treffen von Politikern Journalisten und Vertretern ausländischer Botschaften im Hotel Laico in Ouagadougou statt. Die Gendarmerie war für die Sicherheit zuständig. Unbestätigten Berichten zu Folge ist es der Präsidentengarde gelungen dort einzudringen und Unruhe zu stiften. Von Geiselnahmen und Schusswechseln ist die Rede.

Es scheint als schwindet jegliche Unterstützung für Diendéré, so wird der bereits vom dümmsten Putsch in der Geschichte Afrikas gesprochen. Aber die genauen Hintergründe und Ziele der gesamten Aktion sind bisher schwer abzuschätzen. Zu welchem Zweck gestern ein französischer Eurocopter nach Ouagadougou gebracht wurde ist schleierhaft und wirft weitere Fragen auf. Das burkinische Volk ist jedenfalls vereint wie nie zuvor und das gibt Anlass zur Hoffnung. Hoffnung das wir Bürger unser Recht bekommen, wenn wir gemeinsam dafür kämpfen und das diese Recht wichtiger ist als wirtschaftliche Interessen Frankreichs. Und Hoffnung das Verbrecher wie Diendéré und Compaoré sich eines Tag vor Gericht verantworten müssen für die Menschenleben die Sie auf dem Gewissen haben.

La patrie ou la mort, nous vaincrons.

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