Von Bäumen und Weihnachten

Weihnachten ist ja so eine Zeit, die viel mit Tradition und Ritual und Zusammensein zu tun hat. Zu den wichtigen Traditionen gehört in Deutschland der Weihnachtsbaum. So wichtig ist er, dass hier fast 30 Millionen Weihnachtsbäume jedes Jahr verkauft werden. Jedes Jahr! Das heißt in 10 Jahren sind hier 300 Millionen Weihnachtsbäume durch die Straßen geschleift worden. Das sind schon viele. Im Nationalpark Schwarzwald – der mit knapp 10.000 Hektar zugegebenermaßen nicht so wahnsinnig groß ist – stehen gerade einmal 4 Millionen ausgewachsene Bäume.

Wer was auf sich hält, der greift zur Nordmanntanne. Für zwei Meter von so einem ca. 10 Jahre alten Baum zahlt man dann um die 50 Euro. Wie so ein Baum aussieht geschmückt oder ungeschmückt, weiß hier jede und jeder. Anders ist das mit den Bäumen, für die man bei uns so Geld ausgeben kann. Ich hatte zumindest kein Bild eines jungen Mangobaumes vor Augen. Hier ist eins:

Der hier wurde in Gedenken an Felix in unserem Ökozentrum gepflanzt und er gedeiht ganz prächtig, wie man sieht. Und der kostet nur zwei Nordmanntannen, bleibt aber – wenn alles gut geht – für länger stehen! Ähnliche Bäume hat Ibrahima für uns erst kürzlich für ein neues Frauenwohnheim der Stiftung Brücke gepflanzt. Hier steht er mit drei Bewohnerinnen neben den typischen Geflechten, die die jungen Bäume gegen den ewigen Hunger der Ziegen schützen sollen.

Jedenfalls sind wir auch dabei im Baum-Business. Dabei sieht das unsrige ein bisschen anders aus als das Tannengeschäft. Zwei wichtige Gemeinsamkeiten gibt es: die Preise und die Farbe. Für 50 – 100 € kann man bei uns Baumpate werden (okay, das wäre eine 4-Meter Tanne, aber Mangos werden größer!). Und zwar von einem Baum, der wie der Tannenbaum das ganze Jahr über grün ist.

Baumpate werden, das bedeutet konkret, dass Ibrahima zur Gärtnerei fährt, einen passenden Setzling kauft, mit einigen Helfern ein Loch in den Wüstenboden gräbt (der ist verdammt hart) und dem Babybaum eines der wichtigen Schutzgeflechte spendiert. Dann benötigt der junge Baum insbesondere in den ersten Jahren besondere Zuwendung, wie extra Wasser und Schutz vor Ziegen. All das ist nicht für ein paar Euros zu haben, wie manch große Baumpflanzaktionen von Firmen suggerieren.

Wichtig ist nämlich nicht nur, dass da ein Stück Pflanze mit Wurzeln in die Erde kommt, wenn man es ernst meint, sollte man schon einen Blick für das Gesamtbild haben. Welche Bäume und Pflanzen fühlen sich hier überhaupt wohl und welche mögen die Gesellschaft bestimmter anderer Arten ganz besonders?

Nun ist Ibrahima kein gelernter Förster, sondern Kältetechniker, aber er kennt einen. Na, mittlerweile ist er vielleicht doch ein bisschen ein gelernter Förster. Ibrahima hat mich jedenfalls vor 5 Jahren einem gwissen Yacouba Sawadogo vorgestellt. Ich war sprachlos (auch, weil mein Französisch damals wie heute hauptsächlich aus „Oui, Baguette“ bestand). Vielleicht haben einige von Euch den Namen aber schon Mal gelesen. Er ist Preisträger des Alternativen Nobelpreis (eigentlich Right Livelihood Award) von 2018 und zwar dafür, dass er es geschafft hat, fast ganz alleine in der Wüste einen Wald zu pflanzen. Das Wissen dafür hat er – noch eine Parallele zum Weihnachtsbaum – aus Traditionen: Die Ackerbaumethode Zaï ist Grundlage seiner Arbeit. Mittlerweile hat er so 30 Hektar Wüste in Wald verwandelt. Das hat zwar auch eine Weile gedauert – 40 Jahre – aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Grün und Rot, das passt einfach, vielleicht sind das nicht umsonst die Farben der burkinischen Landesflagge.

Ein bisschen Grün ins Rot bringen, das kann Ibrahima mit unserer Hilfe also auch und das ist trotz des Waldes von Yacouba in der Nachbarschaft immer wichtiger. Es ist nämlich leider so, dass Yacoubas schöner, grüner Wald nicht nur Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel (er steigt), die Desertifikation (sie wird aufgehalten) und die Fruchtbarkeit des Bodens hat. Nein, auch der Markt findet den Wald interessant. Und deshalb sollen Teile desselben gerodet werden, damit Platz wird für teures Wohnen.

Wir machen also erst recht weiter! Selbst wenn dafür der Weihnachtsbaum mal ein paar Jahre kleiner ausfallen oder Pause machen muss! Wenn Ihr auch mitmachen wollt, dann könnt ihr das hier tun. Man kann den Weihnachtsbaum ja auch mit einer Baumpatenurkunde schmücken. Wundervolle, gesunde und vor allem grüne Feiertage Euch allen!

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Baumpatenschaft in Burkina Faso

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